Jessica Fellowes: Die Schwestern von Mitford Manor – Unter Verdacht

Dieses Buch hat mich mit seinem Cover sofort verzaubert. Ich finde die Gestaltung wunderschön und sehr passend zu der Zeit, in der die Geschichte spielt (um ca. 1920). Es sieht auch sehr anspruchsvoll aus, allerdings verabschiedet sich die goldene Farbe nach nur einmal Lesen bereits vom Papier. Das ist sehr schade, wirkt sich aber auf meine Rezension nicht negativ aus.

Obwohl ich noch nie etwas von Jessica Fellowes gelesen habe, war mir ihr Name nicht unbekannt. Sie ist nicht nur die Nichte von Julian Fellowes, dem wir Downton Abbey verdanken können, sondern hat selbst auch Begleitbücher zur Serie geschrieben. Da mir zumindest die ersten drei Staffeln von Downton Abbey sehr gut gefallen haben, war ich sehr gespannt auf ihr Buch.

Das allein wäre aber noch kein Grund für mich gewesen, das Buch zu lesen. Da es sich dabei aber um einen Kriminalroman handelt, und ich nun mal eine Schwäche für englische Krimis habe (siehe dazu meinen Eintrag zu Elizabeth Edmonsons Der Tote in der Kapelle), musste ich dieses Buch unbedingt haben.

Es ist 1920, wir sind in London. Die ehemalige Krankenschwester, Florence Nightingale Shore, die im Ersten Weltkrieg so brav gedient hat, freut sich darauf, ihre restlichen Lebensjahre in Frieden zu verbringen, vielleicht in einem kleinen Haus mit einem Garten. Es soll aber anders kommen, denn als sie in einen Zug steigt, um eine Freundin zu besuchen, ist ihr Schicksal bereits besiegelt. Sie wird im Zug brutal ermordet. Vom Mörder fehlt jede Spur, die Polizei steht völlig ratlos vor dem Rätsel.

Für die junge Louisa bringt dieser Tag ebenfalls eine Wende in ihr Leben, bei ihr geht es aber in die positive Richtung. Ihre Mutter arbeitet als Wäscherin, ihr Vater ist vor kurzem verstorben, ihr Onkel hat sich in der kleinen Wohnung eingenistet und macht ihr Leben zur Hölle. Plötzlich bekommt sie die Möglichkeit, bei der reichen Mitford Familie als Kindermädchen zu arbeiten. Ein Traum geht damit in Erfüllung für Louisa, die damit ihrem elendigen Schicksal entfliehen kann.

Die Mitfords haben sechs Töchter und einen Sohn, Louisa hat also alle Hände voll, als sie bei der Familie einzieht. Mit Tochter Nancy freundet sie sich schnell an, sie ist ja kaum jünger als sie selbst. Nancy liebt Schauergeschichten und schreibt auch gerne selbst welche. So ist es kein Wunder, dass sie sich auf den Zeitungsartikel stürzt, in dem über die Ermordung von Florence Shore, der Krankenschwester berichtet wird. Als sich auch noch herausstellt, dass die Ermordete quasi eine Bekannte der Familie war, will sie natürlich die Dinge in die Hand nehmen und den Mörder finden. Zusammen mit Louisa fangen sie zu ermitteln an…

Eine spannende, gut geschriebene Geschichte ist Die Schwestern von Mitford Manor – Unter Verdacht, das das erste Buch einer Reihe ist. Es ist aber nicht ohne Schwächen, und gerade die größte Schwäche sehe ich darin, dass Jessica Fellowes reale Figuren mit Fantasiefiguren vermischt. Die Mitfords hat es tatsächlich gegeben, die Schwestern sind alle berühmt-berüchtigt. Es gibt viele Artikel und Bücher über sie, die auch Jessica Fellowes als Inspiration und Informationsquelle gediehnt haben. Mit ihrer Krimireihe will sie nun immer eine andere Schwester in den Mittelpunkt stellen, es ist also mit insgesamt sechs Büchern zu rechnen. Auch den Mord an Schwester Shore hat es gegeben, in der Wirklichkeit wurde der Mörder aber nie gefasst.

Fellowes_Nancy Mitford
Nancy Mitford

Wir haben also eine Mischung aus Realem und Fiktionellem, und das kann auch gut funktionieren, und auch hier funktioniert es größtenteils ganz gut. Aber wenn man bedenkt, dass die Mitford Schwestern die Titelfiguren sind und Nancy Mitford im Zentrum dieses Romans stehen sollte, dann kann man nur feststellen, dass hier etwas schiefgegangen ist. Nancy fängt zwar tatsächlich mit der Detektivarbeit an, findet dann aber etwas noch Spannenderes und lässt das ganze fallen. Unsere Hauptperson ist Louisa, die diese Aufgabe sehr gut erfüllt, nur in dem Wissen, dass es sich eigentlich um die Mitfords drehen sollte, steht man als Leser am Ende doch ratlos da, was die Mitfords mit der Geschichte zu tun haben, außer eine interessante Kulisse zu bieten. Dabei waren sie so viel interessanter, als nur als Kulisse abgetan zu werden (darüber kann man zum Beispiel hier und hier lesen – und noch in vielen weiteren Quellen).

Wir haben hier also einerseits einen spannenden, gut geschriebenen englischen Kriminalroman, der wohl den meisten Fans des Genres gefallen wird. Und wir haben die ambitionierte Idee, diese Geschichte mit den Mitford Schwestern zu verweben, und die ist nicht so gut gelungen. Vielleicht wollte hier Jessica fellowes zu viel auf einmal, oder sie wollte mit den Mitfords einfach einen guten Aufhänger haben? Wer weiß. Ich werde aber auch das nächste Buch lesen, und ich hoffe, dass es da schon besser mit der Umsetzung einer auf jeden Fall guten Idee klappt.


Diverses

An dieser Stelle möchte ich mich beim Piper Verlag ganz herzlich für das Rezensionsexemplar bedanken.
Der erste Satz:

 Um Viertel vor drei hielt das Taxi vor Victoria Station, und Florence Shore stieg aus.

Weitere Meinungen zum Buch:

Kerstins Bücherecke

Nana – Der Bücherblog

Streifis Bücherkiste

Impressum:

Autor: Jessica Fellowes
Titel: Die Schwestern von Mitford Manor – Unter Verdacht
Übersetzung aus dem Englischen: Andrea Brandl
Seitenzahl: 496
Verlag: Pendo
Erschienen: 2018
© Pendo Verlag in der Piper Verlag GmbH

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3 Kommentare zu „Jessica Fellowes: Die Schwestern von Mitford Manor – Unter Verdacht

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